Methode · Fertigungstiefe

Fertigungstiefe im Dentallabor bestimmen: Methode und typische Profile

Fertigungstiefe ist keine Haltung, sondern eine Rechnung mit vier Schritten. Sie beantwortet, welcher Teil der Prozesskette im eigenen Haus bleibt und warum genau dieser.

Zwei Labore mit gleichem Umsatz können völlig unterschiedlich aufgestellt sein. Das eine konstruiert, fräst, sintert und verblendet selbst. Das andere konstruiert, kauft Gerüste zu und konzentriert die eigene Arbeit auf Verblendung und Fertigstellung. Beide Wege funktionieren. Was nicht funktioniert, ist eine Fertigungstiefe, die sich zufällig ergeben hat.

Was Fertigungstiefe konkret bedeutet

Fertigungstiefe beschreibt den Anteil der Wertschöpfung, der im eigenen Betrieb erbracht wird. Hohe Fertigungstiefe heißt: viele Schritte im Haus, hohe Fixkosten, große Unabhängigkeit. Geringe Fertigungstiefe heißt: wenige Schritte im Haus, variable Kosten, mehr Abstimmungsaufwand.

Der Begriff wird oft mit Qualität gleichgesetzt. Das ist er nicht. Qualität hängt an Prozessen und Kontrolle, nicht am Ort der Fertigung.

Die Prozesskette in Schritten

Für die Analyse wird die Kette zerlegt. Bei festsitzendem Zahnersatz sind das typischerweise:

  1. Auftragsannahme, Beratung, Datenprüfung
  2. Modellherstellung oder digitale Modellverarbeitung
  3. Konstruktion
  4. Gerüst- oder Rohlingsfertigung
  5. Verblendung und Individualisierung
  6. Ausarbeitung, Politur, Endkontrolle
  7. Dokumentation, Freigabe, Übergabe an die Praxis

Schritt eins und Schritt sieben bleiben in jedem Modell im Haus. Verlagerbar sind die Schritte zwei bis sechs, einzeln oder in Kombination.

Analyse in vier Schritten

  1. Mengen erfassen. Für jede Arbeitsart die Zahl der Fälle der letzten zwölf Monate. Ohne Menge ist keine Aussage möglich.
  2. Zeiten je Schritt messen. Nicht schätzen. Eine Woche mit Strichliste liefert brauchbare Werte, vor allem für Rüst- und Wartezeiten.
  3. Engpässe markieren. Wo entstehen Wartezeiten, wo fehlt Personal, wo blockiert eine Maschine den Fluss?
  4. Kandidaten priorisieren. Schritte, die viel Zeit binden, gut standardisierbar sind und wenig zur Unterscheidbarkeit beitragen, stehen oben.

Ein Hinweis zur zweiten Zeile

  • Gemessen wird die Zeit vom Beginn eines Schritts bis zur Übergabe an den nächsten, inklusive Liegezeit.
  • Liegezeiten sind oft größer als Bearbeitungszeiten. Sie zeigen, wo die Durchlaufzeit tatsächlich entsteht.

Vier typische Profile

Profil Was im Haus bleibt Passt zu
Vollfertigung Alle Schritte, eigene Fräs- und Sintertechnik Hohe, gleichmäßige Auslastung, eigenes Technikprofil
Verblendlabor Konstruktion, Verblendung, Fertigstellung Ästhetischer Schwerpunkt, begrenzte Maschineninvestition
Konstruktions- und Servicelabor Beratung, Konstruktion, Kontrolle, Übergabe Starke Praxisbindung, geringe Fertigungskapazität
Handelsorientiert Beratung, Bestellung, Prüfung, Kundenbetreuung Zweite Preislinie, Vertrieb unter eigener Marke

Die meisten Labore liegen zwischen zwei Profilen, und das ist tragfähig, solange es je Arbeitsart eindeutig ist. Uneindeutig wird es, wenn dieselbe Arbeit mal so und mal anders läuft. Dann leidet die Kalkulation und die Prüfroutine.

Fertigungstiefe verändern, ohne Bruch

Eine Veränderung betrifft Personal, Investitionen und Kundenerwartungen zugleich. Deshalb funktioniert sie schrittweise besser als als Umstellung.

  • Mit einer Arbeitsart beginnen, die alle Kriterien erfüllt, und die Prüfroutine daran aufbauen.
  • Vor einer Ersatzinvestition entscheiden, nicht danach. Nach dem Kauf ist die Rechnung festgelegt.
  • Rückweg offen halten, solange Personal und Wissen vorhanden sind.
  • Team einbeziehen, bevor Aufträge sichtbar aus dem Haus gehen.

Welche Modelle für die verlagerten Schritte in Frage kommen, ordnet der Überblick zu den Modellen der Fremdfertigung ein.

Häufige Fragen

Gibt es eine optimale Fertigungstiefe?

Nein. Sie ergibt sich aus Auslastung, Personal, Kapital und Positionierung. Ein Labor mit ästhetischem Schwerpunkt hat andere Prioritäten als eines, das Praxisketten mit Standardversorgung beliefert.

Wie wirkt sich geringere Fertigungstiefe auf das Team aus?

Die Arbeit verschiebt sich von Fertigung zu Konstruktion, Kontrolle und Kundenbetreuung. Das ist für manche eine Aufwertung und für andere ein Verlust. Deshalb gehört die Frage früh ins Gespräch, nicht in die Umsetzungsphase.

Wie oft sollte die Fertigungstiefe überprüft werden?

Einmal jährlich und immer dann, wenn eine größere Investition ansteht, Personal wechselt oder sich die Auftragsstruktur deutlich verschiebt. Die Datengrundlage aus Schritt eins und zwei bleibt dabei dieselbe.

Nächster Schritt

Profil bestimmt, Kandidaten priorisiert. Für die verlagerten Schritte brauchen Sie Preise und Fertigungsgrade.

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