Entscheidungshilfe · Make or Buy

Outsourcing oder Eigenfertigung: die Make-or-Buy-Entscheidung im Dentallabor

Die Frage wird fast immer als Preisfrage gestellt. Sie ist keine. Sie entscheidet sich an Auslastung, Personal, Fertigungstiefe und daran, wofür das Labor bei seinen Praxiskunden stehen will.

Outsourcing oder Eigenfertigung ist im Dentallabor keine Grundsatzentscheidung, sondern eine Reihe kleiner Entscheidungen: je Arbeitsart, je Fertigungsschritt, manchmal je Quartal. Labore, die pauschal antworten, zahlen dafür entweder mit Überstunden oder mit Marge.

Der Vergleich wird belastbar, sobald beide Seiten mit denselben Zahlen bewertet werden. Genau daran scheitert er in der Praxis: Der externe Preis steht auf dem Angebot, der interne steht nirgends.

Zuerst den Engpass benennen

Bevor irgendein Angebot verglichen wird, lohnt eine nüchterne Frage: Was ist im Labor eigentlich knapp? Die Antwort verschiebt die ganze Entscheidung.

  • Personal ist knapp. Aufträge liegen, weil Hände fehlen, nicht weil Technik fehlt. Auslagern verschafft sofort Luft, besonders bei standardisierbaren Arbeiten.
  • Maschinenzeit ist knapp. Die Fräse läuft im Zweischichtbetrieb, die Nachbearbeitung wartet. Hier hilft schon das Auslagern eines einzelnen Schritts, etwa der Gerüstfertigung.
  • Kapital ist knapp. Die Ersatzinvestition steht an, die Auslastung rechtfertigt sie nicht. Externe Fertigung ersetzt eine Fixkostenentscheidung durch eine variable.
  • Kompetenz ist knapp. Eine Arbeitsart kommt zu selten vor, um Routine aufzubauen. Dann ist Eigenfertigung teuer, auch wenn sie technisch möglich wäre.

Erst wenn der Engpass benannt ist, wird sichtbar, welche Arbeiten sich überhaupt zum Auslagern eignen und welche im Haus bleiben sollten.

Vollkosten statt Stückpreis

Der häufigste Fehler im Vergleich: Auf der einen Seite steht ein Angebotspreis inklusive Material, Logistik und Gewährleistung, auf der anderen eine grob geschätzte Arbeitszeit. So gewinnt die Eigenfertigung fast immer, und zwar auf dem Papier.

Kostenblock Gehört in die interne Rechnung Wird regelmäßig vergessen
Personalzeit Produktive Minuten je Arbeitsschritt Rüsten, Warten, Rückfragen, Dokumentation
Maschine Abschreibung, Wartung, Werkzeug, Energie Stillstand bei Störung, Ersatzteilvorhaltung
Material Rohlinge, Verbrauch, Verschnitt Mindestabnahmen, Lagerbindung, Verfall
Qualität Endkontrolle Nacharbeit, Ausschuss, Zweitanfertigung
Verwaltung Auftragsanlage, Abrechnung Terminverfolgung, Kundenkommunikation bei Verzug

Nacharbeit ist dabei der Posten mit der größten Streuung. Wer sie nicht erfasst, vergleicht eine gute interne Woche mit einem durchschnittlichen externen Preis. Eine grobe Erhebung über zwei Monate reicht meist aus, um die Größenordnung zu kennen.

Wie sich der externe Preis zusammensetzt, ist in der Übersicht zu den Kosten der Lohnfertigung aufgeschlüsselt.

Vier Situationen aus dem Laboralltag

Die Theorie hilft wenig, solange sie nicht auf konkrete Lagen trifft. Vier Konstellationen kommen besonders häufig vor.

  1. Auftragsspitze über sechs bis acht Wochen. Personal aufzubauen lohnt nicht, Ablehnen kostet Praxiskunden. Externe Fertigung als Ventil, danach zurück in den Normalbetrieb.
  2. Verblendung ausgelastet, Gerüstfertigung frei. Nicht der ganze Fall geht raus, sondern der Engpassschritt. Das ist klassische Teilfertigung und verändert die Kalkulation am wenigsten.
  3. Praxiskunde fragt nach einer günstigeren Preisstufe. Ohne zweite Preislinie geht der Fall verloren. Zugekaufte Standardarbeiten schaffen die Stufe, ohne die eigene Qualitätslinie zu verwässern.
  4. Ersatzinvestition steht an. Die alte Maschine ist abgeschrieben, die neue kostet sechsstellig. Bevor unterschrieben wird, gehört die Auslastung der letzten zwölf Monate auf den Tisch.

Der Rechenweg in sechs Zeilen

Für eine belastbare Entscheidung genügt eine einzige Tabelle je Arbeitsart. Sechs Zeilen, ausgefüllt mit eigenen Zahlen, nicht mit Branchenwerten.

  1. Menge der letzten zwölf Monate je Arbeitsart.
  2. Interne Minuten je Einheit, inklusive Rüsten und Nacharbeit.
  3. Interner Minutensatz aus Personal-, Maschinen- und Raumkosten.
  4. Materialkosten je Einheit inklusive Verschnitt.
  5. Externer Preis je Einheit inklusive Versand und verbleibender Restarbeit.
  6. Differenz mal Menge, und daneben die frei werdende Zeit in Stunden.

Was in dieser Rechnung nichts verloren hat

  • Bereits abgeschriebene Maschinen als kostenlose Kapazität. Sie verursachen weiter Wartung, Werkzeug und Fläche.
  • Der Wunsch, ein Gerät auszulasten, das ohnehin da ist. Auslastung ist kein Ertrag.
  • Einzelfälle aus der Erinnerung. Der teuerste Fall des Jahres verzerrt jeden Durchschnitt.

Die frei werdende Zeit ist die eigentlich interessante Zahl. Sie zeigt, was Auslagern ermöglicht: mehr Fälle, kürzere Durchlaufzeit oder schlicht ein Feierabend ohne Samstagsschicht. Systematisch aufbereitet wird das über die Bestimmung der eigenen Fertigungstiefe.

Wo Auslagern an Grenzen stößt

Externe Fertigung löst Kapazitätsprobleme, keine Organisationsprobleme. Wo intern die Auftragsannahme unpräzise ist, wird sie extern zum Reklamationsgrund. Drei Punkte bleiben unabhängig vom Modell im Haus.

  • Die Beziehung zur Praxis. Beratung, Farbnahme, Einprobe und die Erklärung, warum ein Fall Zeit braucht, lassen sich nicht delegieren.
  • Die Endverantwortung. Wareneingang, Freigabe und Dokumentation bleiben Aufgabe des liefernden Labors, unabhängig davon, wo gefertigt wurde.
  • Der Sonderfall. Komplexe Kombiarbeiten, Umarbeitungen und alles, was am Stuhl nachjustiert wird, gehört in die Hände, die den Patienten kennen.

Wer diese drei Punkte sauber besetzt, kann den Rest ohne Qualitätsverlust verlagern. Wer sie vernachlässigt, merkt es an der Reklamationsquote, nicht an der Kalkulation.

Häufige Fragen

Ist Auslagern grundsätzlich günstiger als Eigenfertigung?

Nein. Bei hoher, gleichmäßiger Auslastung und eingespielten Abläufen ist Eigenfertigung oft im Vorteil. Der externe Preis gewinnt vor allem bei schwankender Menge, bei Arbeiten ohne Routine und dort, wo sonst investiert werden müsste.

Verliert das Team fachlich, wenn Arbeiten dauerhaft extern laufen?

Das Risiko besteht bei Arbeitsarten, die vollständig abgegeben werden. Praktikabel ist eine Restmenge im Haus, damit Routine und Beurteilungsfähigkeit erhalten bleiben. Für die Bewertung zugekaufter Arbeiten ist genau diese Fähigkeit die Voraussetzung.

Muss die Entscheidung für alle Arbeitsarten gleich ausfallen?

Nein, und das ist der übliche Fall. Viele Labore fertigen Kombiarbeiten und Sonderfälle selbst, kaufen Standardkronen zu und lagern einzelne Schritte wie die Gerüstfertigung aus. Die Modelle lassen sich kombinieren.

Wie schnell lässt sich eine Auslagerung wieder zurückholen?

Solange Personal, Maschine und Material vorhanden sind, innerhalb weniger Wochen. Kritisch wird es, wenn parallel Stellen abgebaut oder Geräte abgegeben wurden. Deshalb sollte bei einer befristeten Auslagerung von vornherein feststehen, was reversibel bleiben soll.

Nächster Schritt

Sie haben die Zahlen und wollen die externe Seite konkret gegenrechnen? Preise, Lieferzeiten und Fertigungsgrade lassen sich ohne Verpflichtung im Konto einsehen.

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