Fachbeitrag · Lohnfertigung
Lohnfertigung im Dentallabor: Ablauf, Modelle und Einstieg
Von der ersten Anfrage bis zur Übergabe an die Praxis: wie ein Lohnfertigungsauftrag in der Zahntechnik tatsächlich läuft und welche Modelle es gibt.
Lohnfertigung im Dentallabor bedeutet, dass ein Labor zahntechnische Arbeiten ganz oder teilweise von einem externen Fertiger herstellen lässt und sie anschließend unter eigener Verantwortung an die Praxis übergibt. Der Begriff wird synonym mit Fremdfertigung und Auftragsfertigung verwendet.
Anders als beim spontanen Zukauf ist Lohnfertigung ein geplanter Prozess: definiertes Sortiment, definierter Datenweg, definierte Prüfung. Genau darin liegt der Unterschied zwischen einem Notnagel bei Auslastungsspitzen und einem tragfähigen Bestandteil der eigenen Kapazitätsplanung.
Was Lohnfertigung von verwandten Begriffen trennt
| Begriff | Bedeutung |
|---|---|
| Lohnfertigung | Fertigung im Auftrag des Labors, das Labor bleibt gegenüber der Praxis verantwortlich |
| Fremdfertigung | Synonym, betont die Herkunft außerhalb des eigenen Betriebs |
| Teilfertigung | Nur einzelne Fertigungsschritte werden ausgelagert, etwa das Gerüst |
| White Label | Vertriebsmodell: Verkauf unter eigener Marke, unabhängig vom Fertigungsgrad |
| Zukauf | Punktueller Einkauf fertiger Ware ohne festen Prozess |
Drei Modelle in der Praxis
- Kapazitätspuffer. Ausgelagert wird nur, was intern nicht mehr passt. Vorteil: keine Umstellung. Nachteil: keine Routine, hoher Abstimmungsaufwand je Auftrag.
- Feste Positionen. Definierte Arbeiten gehen grundsätzlich nach außen, etwa Vollzirkonkronen oder Modellguss. Vorteil: Routine, klare Kalkulation. Nachteil: erfordert Sortimentsentscheidung.
- Fertigungsstufe. Ein Arbeitsschritt wird ausgelagert, die Fertigstellung bleibt im Haus. Vorteil: eigene Handschrift bleibt sichtbar. Nachteil: zwei Prozesse müssen zusammenpassen.
Ablauf eines Lohnfertigungsauftrags
- Auftragseingang: Scan oder Abformung kommt aus der Praxis, das Labor prüft die Verwertbarkeit.
- Entscheidung: intern fertigen oder auslagern, anhand vorher festgelegter Kriterien.
- Datenaufbereitung: Auftragsangaben vollständig machen, Patientenbezug auf das Nötige reduzieren.
- Übermittlung: Upload über die Bestellstrecke des Fertigers.
- Fertigung und Versand: Produktion beim Partner, Lieferung ans Labor.
- Wareneingang: Prüfung auf Passung, Okklusion, Oberfläche, Vollständigkeit und Unterlagen; Ergebnis dokumentieren.
- Fertigstellung oder Übergabe: je nach Fertigungsgrad Verblendung im Haus oder direkte Weitergabe.
- Abrechnung: mit korrekter Deklaration der Herkunft.
Schnittstellen und Daten
Der häufigste Reibungspunkt ist nicht die Fertigung, sondern die Datenübergabe. Klären Sie vorab, welche Scanformate akzeptiert werden, ob Designdaten mitgeliefert werden können, wie unklare Präparationsgrenzen behandelt werden und über welchen Weg Rückfragen laufen.
Für die datenschutzrechtliche Seite: Auftragsdaten pseudonymisieren.
Einstieg in fünf Schritten
- Auftragsmix der letzten drei Monate auswerten und die drei häufigsten standardisierbaren Arbeiten identifizieren.
- Vollkosten der eigenen Fertigung für diese Arbeiten ermitteln.
- Zwei Partner mit identischen Kriterien anfragen.
- Pilotauftrag über drei bis fünf Arbeiten laufen lassen und den eigenen Zeitaufwand mitschreiben.
- Erst danach über eine dauerhafte Verlagerung entscheiden.
Rechenwege dazu finden Sie in Lohnfertigung kalkulieren und Kosten der Lohnfertigung.
Wo Lohnfertigung an Grenzen stößt
- Arbeiten mit häufiger Anprobe und Korrektur am Behandlungsstuhl
- Sehr kurzfristige Termine, die unter der Lieferzeit des Partners liegen
- Sonderanfertigungen ohne standardisierbare Vorgaben
- Fälle, in denen die Praxis ausdrücklich rein regionale Fertigung wünscht
Häufige Fragen
Bleibt das Labor verantwortlich?
Ja. Gegenüber der Praxis bleibt das Labor Vertragspartner und Ansprechpartner. Deshalb sind Wareneingangskontrolle und Dokumentation im eigenen Haus unverzichtbar.
Welche Lieferzeiten sind realistisch?
Das hängt von Arbeit und Fertigungsgrad ab. Bei g.d FullFinished liegen die Lieferzeiten je nach Arbeit bei etwa acht bis zwölf Arbeitstagen; Vollzirkonarbeiten beginnen bei acht Tagen, Kombinationstechnik kann bis zu zwölf Tage benötigen.
Lohnt sich Lohnfertigung für kleine Labore?
Häufig gerade dort, weil Investitionen in CAD/CAM-Technik bei geringer Stückzahl schwer darstellbar sind. Ohne Mindestabnahme lässt sich der Einstieg klein halten.
Muss ich meine Praxen informieren?
Ja, soweit es die Herkunft der Arbeit betrifft. Zahnersatz aus internationaler Fertigung ist zu deklarieren und in der Abrechnung korrekt auszuweisen.
Nächster Schritt
Werten Sie Ihren Auftragsmix aus, wählen Sie drei standardisierbare Positionen und testen Sie den Ablauf mit einem realistischen Pilotauftrag.