Kalkulation · Praxis

Lohnfertigung kalkulieren: vom Einkaufspreis zum eigenen Kundenpreis

Zwischen dem Preis auf der Eingangsrechnung und dem Preis für die Praxis liegen vier Kostenblöcke. Wer sie einzeln benennt, kalkuliert stabil und muss nicht bei jedem Auftrag neu schätzen.

Viele Labore kalkulieren zugekaufte Arbeiten wie eigene und schlagen einen pauschalen Aufschlag auf den Einkaufspreis. Das funktioniert, solange die interne Restarbeit gering und gleichmäßig ist. Sobald Verblendung, Anpassung oder häufige Rückfragen hinzukommen, wandert der Deckungsbeitrag unbemerkt nach unten.

Der Weg zum eigenen Preis

  1. Einkaufspreis der Arbeit erfassen, inklusive Versandanteil je Einheit.
  2. Interne Restarbeit in Minuten festlegen, getrennt nach Technik und Verwaltung.
  3. Minuten mit dem internen Verrechnungssatz bewerten.
  4. Anteilige Prüf- und Dokumentationszeit ergänzen, auch wenn sie kurz ist.
  5. Risikoanteil für Nacharbeit aufschlagen, abgeleitet aus der eigenen Quote.
  6. Zielmarge aufschlagen und das Ergebnis mit dem üblichen Preisniveau der Arbeit abgleichen.

Schritt fünf wird am häufigsten übersprungen. Er ist der Unterschied zwischen einer Kalkulation, die im Jahresmittel trägt, und einer, die nur für fehlerfreie Fälle stimmt.

Die vier Kostenblöcke

Block Was hineingehört Typische Erfassung
Einkauf Preis der Arbeit, Versand, Zuschläge für Sondermaterial Direkt aus der Eingangsrechnung, je Auftrag
Technik intern Verblendung, Anpassung, Politur, Zweitkontrolle Minuten je Arbeitsart, einmal sauber gemessen
Verwaltung Auftragsanlage, Bestellung, Terminverfolgung, Abrechnung Pauschale je Auftrag, jährlich überprüft
Risiko Nacharbeit, Ersatzanfertigung, Kulanz, Terminverzug Prozentsatz aus der eigenen Quote der letzten Monate

Der Verwaltungsblock wirkt klein und ist es je Auftrag auch. Über hundert Aufträge im Monat entscheidet er trotzdem darüber, ob eine Preisstufe trägt.

Was der Zukauf an der Kalkulation ändert

Bei Eigenfertigung dominieren Personal- und Maschinenkosten, beide sind weitgehend fix. Bei Zukauf wandert der größte Posten in die variablen Kosten. Das verändert die Struktur der Kalkulation und macht sie planbarer, weil der Einkaufspreis bekannt ist, bevor gearbeitet wird.

Zwei Effekte sind dabei wichtig. Erstens sinkt das Risiko bei schwankender Menge, weil keine Kapazität leer läuft. Zweitens steigt die Bedeutung der internen Restarbeit, denn sie ist der einzige Posten, den das Labor selbst beeinflusst.

Deshalb lohnt es sich, die Fertigungstiefe bewusst zu wählen statt sie sich ergeben zu lassen. Der Vergleich der Stufen steht im Beitrag FullFinished oder SemiFinished.

Ein Kalkulationsblatt für den Alltag

Zeilen, die genügen

  • Arbeitsart und Materialstandard
  • Einkaufspreis inklusive Versandanteil
  • Interne Minuten Technik, interne Minuten Verwaltung
  • Verrechnungssatz je Minute
  • Risikoaufschlag in Prozent
  • Ergebnis: Selbstkosten je Einheit
  • Zielpreis und daraus abgeleitete Marge

Ein solches Blatt je Arbeitsart, einmal jährlich überprüft, ersetzt die meisten Einzelentscheidungen. Es beantwortet auch die Frage, ab welcher Menge eine zweite Preislinie sinnvoll wird und wo die Grenze für Sonderwünsche liegt.

Für den Vertrieb unter eigener Marke gilt derselbe Aufbau mit einem zusätzlichen Block für Betreuung und Portalpflege, beschrieben in der Kalkulation der White-Label-Marge.

Häufige Fragen

Welcher Verrechnungssatz ist realistisch?

Er ergibt sich aus den eigenen Zahlen: Personalkosten, Raum, Maschinen, Verwaltung, geteilt durch die produktiven Stunden. Branchenwerte taugen zur Plausibilitätsprüfung, nicht als Grundlage, weil Auslastung und Kostenstruktur zu unterschiedlich sind.

Wie oft sollte die Kalkulation überprüft werden?

Einmal jährlich vollständig und immer dann, wenn sich Einkaufspreise, Löhne oder die Auftragsstruktur spürbar verändern. Zwischendurch reicht die Beobachtung der Nacharbeitsquote, weil sie am schnellsten auf Veränderungen reagiert.

Sollten zugekaufte Arbeiten günstiger angeboten werden als eigene?

Nicht automatisch. Der Preis richtet sich nach Leistung und Marktumfeld, nicht nach dem Fertigungsort. Sinnvoll ist eine bewusst gestaltete zweite Preislinie mit klar beschriebenem Leistungsumfang, damit sie die bestehende Linie nicht untergräbt.

Nächster Schritt

Für die Zeile Einkaufspreis brauchen Sie reale Werte. Preise und Fertigungsgrade sind unverbindlich einsehbar.

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