Ablauf · Wareneingang
Wareneingangskontrolle für zugekauften Zahnersatz: Ablauf und Prüfpunkte
Zehn Minuten je Lieferung, ein fester Ablauf und eine Notiz, die auch in zwei Jahren noch lesbar ist. Mehr braucht eine Eingangskontrolle nicht, und mit weniger funktioniert sie nicht.
Die Wareneingangskontrolle ist der Punkt, an dem eine zugekaufte Arbeit zur eigenen Arbeit des Labors wird. Alles, was hier auffällt, kostet Minuten. Alles, was erst am Behandlungsstuhl auffällt, kostet einen Termin, eine Erklärung und oft eine Neuanfertigung.
Drei Prüfebenen
Sortiert nach Reihenfolge, nicht nach Wichtigkeit. Wer mit dem Werkstück beginnt, übersieht regelmäßig die Zuordnung.
- Lieferung. Vollständigkeit, Zuordnung zum richtigen Fall, äußerer Zustand der Verpackung, Übereinstimmung mit dem Lieferschein.
- Werkstück. Passung auf dem Modell, Randschluss, Okklusion und Approximalkontakte, Oberfläche, Farbe, Materialstärke an kritischen Stellen.
- Dokumente. Angaben zu Material und Charge, Konformitätsunterlagen, alles, was für die eigene Dokumentation gegenüber der Praxis benötigt wird.
Die dritte Ebene wird am häufigsten übersprungen, weil sie nichts mit dem Werkstück zu tun hat. Sie ist trotzdem die, die im Reklamationsfall zählt.
Prüfpunkte je Arbeitsart
| Arbeitsart | Vorrangige Prüfpunkte | Häufiger Befund |
|---|---|---|
| Vollkeramische Krone | Randschluss, Approximalkontakte, Okklusion, Farbe | Zu starker Kontaktpunkt, Farbabweichung bei Nachbarzähnen |
| Gerüst zur Verblendung | Verblendraum, gleichmäßige Stärke, Passung, Oberfläche | Zu wenig Platz im Frontzahnbereich |
| Brücke | Spannungsfreier Sitz, Konnektorquerschnitt, Basisgestaltung | Kippeln auf dem Modell, zu enge Basis am Pontic |
| Modellgussgerüst | Einschubrichtung, Klammerverlauf, Auflagen, Politur | Klammerfriktion zu stark oder zu schwach |
| Schiene | Stärke, Retention, Randgestaltung, Oberflächenqualität | Scharfe Ränder, ungleichmäßige Stärke |
| Implantatgetragene Arbeit | Systemzuordnung, Schraubenkanal, Passung auf dem Analog | Falsche oder nicht dokumentierte Komponente |
Sinnvoll ist, je Arbeitsart höchstens fünf Punkte festzulegen. Längere Listen werden im Alltag abgekürzt, und dann fehlt die Vergleichbarkeit über die Monate.
Dokumentation ohne Mehraufwand
Was in die Prüfnotiz gehört
- Fallnummer und Datum, Name der prüfenden Person
- Arbeitsart und Lieferant
- Ergebnis je Prüfpunkt, als kurzes Kürzel genügt
- Bei Abweichung: Beschreibung, Foto, getroffene Entscheidung
- Freigabe für die Weitergabe an die Praxis
Ob das auf Papier am Arbeitsplatz oder im Laborprogramm erfasst wird, ist zweitrangig. Entscheidend ist, dass die Notiz zum Fall gehört und nicht in einem separaten Ordner endet, in den niemand schaut.
Aus diesen Notizen entstehen nebenbei die Kennzahlen, mit denen sich Lieferanten bewerten lassen, beschrieben unter Qualitätskontrolle beim Zukauf.
Ablauf bei Abweichung
- Arbeit nicht weitergeben, auch nicht unter Zeitdruck, solange die Bewertung offen ist.
- Abweichung beschreiben und fotografieren, mit Bezug auf die vereinbarte Vorgabe.
- Entscheiden: interne Korrektur, Nacharbeit beim Lieferanten, Neuanfertigung.
- Termin prüfen und die Praxis informieren, sobald eine Verschiebung wahrscheinlich ist.
- Meldung an den Lieferanten mit Fallnummer, Prüfbefund und gewünschter Lösung.
- Vorgang schließen, sobald Ersatz oder Nacharbeit geprüft und freigegeben ist.
Punkt vier wird gern nach hinten geschoben, in der Hoffnung, dass sich die Sache noch fügt. Praxiskunden nehmen eine frühe Information dagegen fast immer besser auf als eine späte Entschuldigung.
Häufige Fragen
Wer sollte die Eingangskontrolle durchführen?
Eine fachlich qualifizierte Person, die die Arbeitsart beurteilen kann, und möglichst nicht diejenige, die den Fall später fertigstellt. Eine zweite Sicht erhöht die Trefferquote. In kleinen Betrieben genügt eine feste Zuständigkeit mit klarer Vertretungsregelung.
Reicht eine Sichtprüfung aus?
Für viele Standardarbeiten ja, sofern sie auf dem Modell erfolgt und die festgelegten Punkte abdeckt. Bei neuen Arbeitsarten, nach Reklamationen und bei Wechseln beim Lieferanten ist eine erweiterte Prüfung sinnvoll, etwa mit zusätzlicher Kontrolle der Materialstärken.
Wie lässt sich die Kontrolle im Tagesablauf unterbringen?
Als feste Station bei der Warenannahme, nicht als Aufgabe zwischendurch. Ein Tisch, das Modell, die Prüfliste, die Ablage für freigegebene Arbeiten. Zehn Minuten je Lieferung sind realistisch, wenn die Prüfpunkte kurz gehalten sind.
Nächster Schritt
Prüfliste steht. Wenn die Lieferungen dazu passen sollen, lohnt der Blick auf Fertigungsgrade und Dokumentationsumfang.