Fertigungstiefe im Dentallabor bestimmen: Methode und typische Profile
Von Miguel Reis · get.dental GmbH · Aktualisiert am 7. Oktober 2026
Fertigungstiefe im Überblick
Rund um Fertigungstiefe stellt sich Dentallaboren vor allem eine Frage: Wie tief fertigen wir selbst und was geben wir ab? Die folgenden Abschnitte ordnen Fertigungstiefe Schritt für Schritt ein.
Ob Fertigungstiefe sinnvoll ist, zeigt sich an Auslastung, Personal und Fertigungstiefe. Wer Fertigungstiefe sauber plant, prüft Kapazität, Qualität und Kosten vor der ersten Bestellung. Die Antworten zu Fertigungstiefe stützen sich auf die Abläufe bei get.dental. Bei Fragen zu Fertigungstiefe hilft der Kontakt weiter.
Gleicher Umsatz, andere Aufstellung
Fertigungstiefe ist keine Haltung, sondern eine Rechnung mit vier Schritten. Sie beantwortet, welcher Teil der Prozesskette in Ihrem Haus bleibt und warum genau dieser.
Zwei Labore mit gleichem Umsatz können völlig unterschiedlich aufgestellt sein. Das eine konstruiert, fräst, sintert und verblendet selbst. Das andere konstruiert, kauft Gerüste zu und konzentriert die eigene Arbeit auf Verblendung und Fertigstellung. Beide Wege funktionieren. Was nicht funktioniert, ist eine Fertigungstiefe, die sich zufällig ergeben hat.
Was Fertigungstiefe im Dentallabor konkret bedeutet
Fertigungstiefe beschreibt den Anteil der Wertschöpfung, den Sie im eigenen Betrieb erbringen. Hohe Fertigungstiefe heißt: viele Schritte in Ihrem Haus, hohe Fixkosten, große Unabhängigkeit. Geringe Fertigungstiefe heißt: wenige Schritte im Haus, variable Kosten, mehr Abstimmungsaufwand.
Der Begriff wird oft mit Qualität gleichgesetzt. Das ist er nicht. Qualität hängt an Prozessen und Kontrolle, nicht am Ort der Fertigung.
Die Prozesskette in Schritten
Für die Analyse wird die Kette zerlegt. Bei festsitzendem Zahnersatz sind das typischerweise:
- Auftragsannahme, Beratung, Datenprüfung
- Modellherstellung oder digitale Modellverarbeitung
- Konstruktion
- Gerüst- oder Rohlingsfertigung
- Verblendung und Individualisierung
- Ausarbeitung, Politur, Endkontrolle
- Dokumentation, Freigabe, Übergabe an die Praxis
Schritt eins und Schritt sieben bleiben in jedem Modell in Ihrem Haus. Verlagerbar sind die Schritte zwei bis sechs, einzeln oder in Kombination.
Für Schritt sieben ist das auch rechtlich so angelegt: Der Hersteller einer Sonderanfertigung hält die Dokumentation bereit, aus der „die Auslegung, die Herstellung und die Leistung des Produkts“ hervorgehen (MDR, Anhang XIII Abschnitt 2).
Analyse in vier Schritten
- Mengen erfassen. Für jede Arbeitsart die Zahl Ihrer Fälle der letzten zwölf Monate. Ohne Menge ist keine Aussage möglich.
- Zeiten je Schritt messen. Nicht schätzen. Eine Woche mit Strichliste liefert brauchbare Werte, vor allem für Rüst- und Wartezeiten.
- Engpässe markieren. Wo entstehen Wartezeiten, wo fehlt Personal, wo blockiert eine Maschine den Fluss?
- Kandidaten priorisieren. Schritte, die viel Zeit binden, gut standardisierbar sind und wenig zur Unterscheidbarkeit beitragen, stehen oben.
Ein Hinweis zur zweiten Zeile
- Gemessen wird die Zeit vom Beginn eines Schritts bis zur Übergabe an den nächsten, inklusive Liegezeit.
- Liegezeiten sind oft größer als Bearbeitungszeiten. Sie zeigen, wo die Durchlaufzeit tatsächlich entsteht.
Vier typische Profile
| Profil | Was in Ihrem Haus bleibt | Passt zu |
|---|---|---|
| Vollfertigung | Alle Schritte, eigene Fräs- und Sintertechnik | Hohe, gleichmäßige Auslastung, eigenes Technikprofil |
| Verblendlabor | Konstruktion, Verblendung, Fertigstellung | Ästhetischer Schwerpunkt, begrenzte Maschineninvestition |
| Konstruktions- und Servicelabor | Beratung, Konstruktion, Kontrolle, Übergabe | Starke Praxisbindung, geringe Fertigungskapazität |
| Handelsorientiert | Beratung, Bestellung, Prüfung, Kundenbetreuung | Zweite Preislinie, Vertrieb unter eigener Marke |
Fertigungstiefe verändern, ohne Bruch
Eine Veränderung betrifft Ihr Personal, Ihre Investitionen und die Erwartungen Ihrer Kunden zugleich. Deshalb funktioniert sie schrittweise besser als als Umstellung.
- Mit einer Arbeitsart beginnen, die alle Kriterien erfüllt, und die Prüfroutine daran aufbauen.
- Vor einer Ersatzinvestition entscheiden, nicht danach. Nach dem Kauf ist die Rechnung festgelegt.
- Rückweg offen halten, solange Personal und Wissen vorhanden sind.
- Ihr Team einbeziehen, bevor Aufträge sichtbar aus dem Haus gehen.
Welche Modelle für die verlagerten Schritte in Frage kommen, ordnet der Überblick zu den Modellen der Fremdfertigung ein.
Die Profile mit externer Fertigung umsetzen
Jedes der vier Profile setzt an einer anderen Stelle der Prozesskette auf externe Fertigung. Bei get.dental entspricht das jeweils einer Produktlinie.
- Verblendlabor: Gerüste, Modellgussstrukturen, Teleskope und individuelle Abutments aus g.d SemiFinished; Verblendung und Fertigstellung bleiben im Haus.
- Konstruktions- und Servicelabor: finalisierte Arbeiten aus g.d FullFinished, die nach Ihrer Eingangsprüfung an die Praxis gehen.
- Handelsorientiertes Labor: g.d WhiteLabel mit Bestellportal in Ihrem Design, Auftragsannahme bis Rechnungsstellung in Ihrem Namen.
Die Vollfertigung braucht keinen Partner, kann aber für Spitzen oder einzelne Arbeitsarten auf dieselben Linien zurückgreifen. Für die Analyse der Fertigungstiefe im Dentallabor hilft es, die Produktionszeiten als Vergleichswert neben Ihre eigenen Durchlaufzeiten zu stellen: Bei get.dental liegen sie je Arbeit zwischen 8 und 12 Arbeitstagen.
Quellen
- Verordnung (EU) 2017/745 (MDR), Anhang XIII Abschnitt 2 – Europäische Union (EUR-Lex)
Häufige Fragen
Gibt es eine optimale Fertigungstiefe?
Nein. Sie ergibt sich aus Auslastung, Personal, Kapital und Positionierung. Ein Labor mit ästhetischem Schwerpunkt hat andere Prioritäten als eines, das Praxisketten mit Standardversorgung beliefert.
Wie wirkt sich geringere Fertigungstiefe auf das Team aus?
Die Arbeit verschiebt sich von Fertigung zu Konstruktion, Kontrolle und Kundenbetreuung. Für manche in Ihrem Team ist das eine Aufwertung, für andere ein Verlust. Deshalb gehört die Frage früh ins Gespräch, nicht in die Umsetzungsphase.
Wie oft sollte die Fertigungstiefe überprüft werden?
Einmal jährlich und immer dann, wenn eine größere Investition ansteht, Personal wechselt oder sich Ihre Auftragsstruktur deutlich verschiebt. Die Datengrundlage aus Schritt eins und zwei bleibt dabei dieselbe.
Welche typischen Profile der Fertigungstiefe gibt es?
Vier: die Vollfertigung mit eigener Fräs- und Sintertechnik, das Verblendlabor (Konstruktion, Verblendung, Fertigstellung), das Konstruktions- und Servicelabor (Beratung, Konstruktion, Kontrolle, Übergabe) und das handelsorientierte Labor mit zweiter Preislinie. Die meisten Labore liegen zwischen zwei Profilen. Das ist tragfähig, solange es je Arbeitsart eindeutig bleibt.
Nächster Schritt
Profil bestimmt, Kandidaten priorisiert. Für die verlagerten Schritte brauchen Sie Preise und Fertigungsgrade.
Fertigungstiefe regelmäßig überprüfen
Die passende Fertigungstiefe ist keine einmalige Entscheidung. Auftragslage, Personal und Technik ändern sich. Prüfen Sie deshalb einmal im Jahr, welche Arbeiten Sie selbst fertigen und welche Sie zukaufen.
Drei Fragen helfen dabei. Welche Arbeiten binden viel Zeit bei wenig Wertschöpfung? Wo gab es zuletzt Engpässe? Und welche Arbeiten wollen Ihre Praxen häufiger, als Sie sie liefern können?
Fertigungstiefe: zwei Wege für Ihr Labor
Für die Antwort stehen zwei Wege offen. g.d SemiFinished liefert das Gerüst, Sie stellen fertig. g.d FullFinished liefert die einsetzfertige Arbeit. Welchen Anteil Sie wie verteilen, ist die eigentliche Entscheidung über Ihre Fertigungstiefe.
Mehr dazu steht in FullFinished oder SemiFinished und Teilfertigung im Dentallabor. Wie Sie Engpässe planbar abfangen, zeigt Kapazitätsplanung in der Zahntechnik.
Das Wichtigste in Kürze
Die Fertigungstiefe im Dentallabor bestimmt, welche Schritte im Haus bleiben und welche ausgelagert werden. Mit g.d SemiFinished bleibt die Verblendung im Labor, nur Gerüste und Strukturen kommen von get.dental; mit g.d FullFinished wird die komplette Arbeit einsetzfertig zugekauft. Beide Wege laufen nach Auftrag über das digitale Bestellportal, mit festen Produktionszeiten in Arbeitstagen und CE-zertifizierten Materialien.
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