Kostenanalyse · Lohnfertigung

Kosten der Lohnfertigung im Dentallabor richtig bewerten

Der Angebotspreis ist der kleinere Teil der Wahrheit. Entscheidend ist, was zusätzlich anfällt, bis die Arbeit beim Praxiskunden liegt, und ob zwei Angebote überhaupt dasselbe umfassen.

Wer Kosten der Lohnfertigung bewertet, vergleicht in der Regel Positionen aus zwei Preislisten. Das führt zu einer Zahl, aber nicht zu einer Entscheidung. Denn Leistungen, die in der einen Liste enthalten sind, tauchen in der anderen als Zusatz auf oder fehlen ganz.

Ein belastbarer Vergleich beginnt deshalb nicht beim Preis, sondern beim Lieferumfang.

Woraus sich der Preis zusammensetzt

Bestandteil Meist enthalten Häufig separat
Material Standardrohling, Legierung nach Angebot Sonderfarben, Premiummaterialien, Edelmetall
Fertigung Konstruktion, Fräsen, Sintern, Ausarbeitung Individualisierung, aufwendige Charakterisierung
Modelle Digitale Verarbeitung des Datensatzes Gedruckte Modelle, Sägemodelle, Artikulation
Prüfung Sicht- und Passungskontrolle beim Fertiger Zusätzliche Messprotokolle auf Anforderung
Logistik Standardversand ab bestimmter Auftragshöhe Expressversand, Rücksendung, Teillieferung
Gewährleistung Nacharbeit bei nachweisbarem Fertigungsfehler Neuanfertigung bei geänderter Ausgangslage

Die Zeile Modelle ist der häufigste Streitpunkt. Ob ein gedrucktes Modell mitgeliefert wird, verschiebt den Vergleich spürbar, weil es sonst intern entsteht.

Nebenkosten, die im Angebot fehlen

Diese Posten stehen auf keiner Preisliste, fallen aber in jedem Labor an. Sie gehören auf die externe Seite der Rechnung, sonst wird sie zu freundlich.

  • Auftragsvorbereitung. Datensatz prüfen, Präparationsgrenze markieren, Anweisung schreiben. Beim ersten Mal deutlich länger als später.
  • Rückfragen. Jede Rückfrage kostet zweimal Zeit, im Labor und beim Fertiger, und verlängert die Durchlaufzeit.
  • Wareneingangskontrolle. Fester Prüfumfang je Arbeitsart, dokumentiert. Details unter Wareneingangskontrolle.
  • Interne Restarbeit. Bei Halbfertigerzeugnissen der größte Posten, bei fertigen Arbeiten oft nur Reinigung und Freigabe.
  • Terminpuffer. Wer extern fertigen lässt, plant Reserve ein. Diese Reserve ist gebundene Zeit im Auftragsbuch.

Angebote vergleichbar machen

  1. Eine konkrete Arbeitsart als Referenz wählen, etwa eine monolithische Zirkonkrone im Seitenzahnbereich.
  2. Für diese Arbeit den vollständigen Lieferumfang schriftlich festhalten, inklusive Modell, Versand und gewünschtem Endzustand.
  3. Alle Anbieter denselben Fall kalkulieren lassen, nicht ihre jeweilige Standardposition nennen.
  4. Nebenkosten aus dem eigenen Labor ergänzen, für jeden Anbieter getrennt, denn sie unterscheiden sich je nach Qualität der Zusammenarbeit.
  5. Erst dann die Endsumme je Einheit vergleichen und die Lieferzeit danebenstellen.

Ein Satz, der viele Missverständnisse verhindert

  • Fragen Sie nicht nach dem Preis für eine Krone, sondern nach dem Preis für diesen Fall, in diesem Zustand, mit diesem Liefertermin.
  • Lassen Sie sich bestätigen, was ausdrücklich nicht enthalten ist. Diese Liste ist aussagekräftiger als die Leistungsbeschreibung.

Preisunterschiede richtig deuten

Ein deutlich niedrigerer Preis hat immer einen Grund, und der ist nicht zwangsläufig ein Qualitätsproblem. Typische Ursachen sind ein anderer Materialstandard, ein anderer Automatisierungsgrad, ein anderer Fertigungsstandort oder ein geringerer Lieferumfang.

Problematisch wird es, wenn der Grund unklar bleibt. Dann fehlt die Grundlage, um zu beurteilen, ob der Preis stabil ist. Für die Auswahl eines Partners sind die Kriterien im Beitrag Fertigungspartner auswählen zusammengestellt.

Umgekehrt gilt: Ein höherer Preis rechtfertigt sich nur durch nachvollziehbare Leistung, etwa kürzere Lieferzeit, umfangreichere Dokumentation oder geringere Nacharbeitsquote. Diese Werte lassen sich nach einem Quartal aus den eigenen Aufzeichnungen belegen.

Häufige Fragen

Wie viel Nacharbeit ist normal?

Eine allgemeingültige Quote gibt es nicht, sie hängt von Arbeitsart und Übergabepunkt ab. Sinnvoll ist, die eigene Quote über drei Monate zu erfassen und als Vergleichsmaßstab zu nutzen. Auffällig wird ein Partner, wenn seine Quote deutlich über dem eigenen internen Wert liegt.

Sollten Preise jährlich neu verhandelt werden?

Sinnvoller als eine reine Preisverhandlung ist eine Mengenbetrachtung. Wer Volumen bündelt und Arbeitsarten standardisiert, erreicht bessere Konditionen als über wiederholte Nachlassforderungen bei gleichem Aufwand.

Wie werden Reklamationen kostenseitig berücksichtigt?

Als eigener Posten je Anbieter: Anzahl der Fälle, interner Zeitaufwand, Auswirkung auf den Termin beim Praxiskunden. Diese drei Werte zeigen schneller als jede Preisliste, ob eine Zusammenarbeit wirtschaftlich ist.

Nächster Schritt

Vergleichsgrundlage steht? Preise und Lieferzeiten für konkrete Arbeitsarten lassen sich unverbindlich einsehen.

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